Die Einstufung des Baugrunds nach DIN EN 1998-1/NA hängt in Mainz entscheidend von der mittleren Scherwellengeschwindigkeit Vs30 ab. Gerade im Stadtgebiet mit seinen tertiären Mergel- und Kalkschichten des Mainzer Beckens, die stellenweise von quartären Rheinsanden überlagert werden, reichen pauschale Annahmen aus Tabellen nicht aus, um die tatsächliche Untergrundsteifigkeit zu erfassen. Unser Team führt die MASW-Messung (Multichannel Analysis of Surface Waves) als zerstörungsfreie, aktive Seismik durch, die ohne tiefe Bohrung die benötigten Geschwindigkeitsprofile liefert. Das Verfahren eignet sich hervorragend für innerstädtische Grundstücke, wo Rammtechnik an Platzmangel oder Lärmgrenzwerten scheitert. Bei Baugrundfragen im Rheintal ergänzt die CPT-Sondierung oft das seismische Modell, sobald die Schichtgrenzen aus der Wellenausbreitung vorliegen und punktuell verifiziert werden sollen. Die Messkampagne dauert selten länger als einen Vormittag, und die Aufbereitung der Dispersionskurven zur Vs30-Klassifikation erfolgt im akkreditierten Labor nach DIN 45672.
Ein Meter Mergel im Mainzer Becken kann die Vs30 um 200 m/s anheben – punktuelle Schätzung ist Glücksspiel, flächige MASW-Messung bringt belastbare Baugrundklassen.
Arbeitsumfang in Mainz

Lokale geotechnische Bedingungen in Mainz
Der häufigste Fehler im Mainzer Raum ist die Übernahme von pauschalen Vs30-Werten aus regionalen Karten ohne Messung vor Ort. Gerade auf den Hanggrundstücken zwischen Oberstadt und Zahlbach wechselt die Mächtigkeit der Verwitterungsdecke über dem Kalkstein oft auf wenigen Metern, sodass ein benachbartes Gutachten mit scheinbar gleicher Geologie das eigene Baugrundrisiko nicht abbildet. Nach DIN EN 1998-1 ist der Bauherr verpflichtet, den Bemessungswert der Bodenbeschleunigung mit der tatsächlichen Baugrundklasse zu skalieren – eine Fehleinstufung von C nach D erhöht die Erdbebenlast rechnerisch um bis zu 40 Prozent und führt zu unwirtschaftlich dimensionierten Fundamenten und teuren Nachträgen. Noch kritischer wird es bei weichen Auenböden mit Vs30 unter 180 m/s, wo zusätzlich eine Verflüssigungsanalyse nach Seed & Idriss vorgeschrieben sein kann, sobald der Grundwasserstand oberflächennah ansteht.
Unsere Leistungen
Unser Leistungspaket deckt die gesamte seismische Baugrunderkundung in Mainz und dem Rhein-Main-Gebiet ab – von der Feldmessung bis zum geotechnischen Bericht.
MASW-Standardprofil mit Vs30-Bericht
Eine Messlinie mit 24 Geophonen, Inversion der Dispersionskurve und tabellarischer Ausgabe des Vs-Profils inklusive Klassifikation nach EC8. Lieferung als PDF und digitaler Datensatz binnen drei Werktagen.
Kombi-Paket MASW + Baugrundgutachten
Integrierte Untersuchung aus seismischer Kampagne und punktuellen Aufschlüssen. Wir erstellen das vollständige Bodengutachten mit Gründungsempfehlung, Setzungsberechnung und Erdbebennachweis nach DIN EN 1998-1/NA für den Standsicherheitsnachweis.
Gängige Fragen
Wie lange dauert eine MASW-Messung auf einem innerstädtischen Grundstück in Mainz?
Die reine Feldarbeit beansprucht bei einer Linienlänge von 46 Metern etwa zwei bis drei Stunden, inklusive Aufbau der Geophone, Anregung mit dem Fallgewicht und Qualitätskontrolle der Rohdaten vor Ort. Die Inversion der Dispersionskurve und die Erstellung des Vs30-Berichts nehmen im Anschluss zwei bis drei Werktage in Anspruch. Bei eingeschränkten Platzverhältnissen in der Mainzer Altstadt können wir die Auslage auf ein Minimum von 34 Metern verkürzen, müssen dann aber mit einer geringeren Maximaltiefe von rund 22 Metern rechnen.
Was kostet eine MASW-Messung zur Vs30-Bestimmung in Mainz?
Für ein Standardprofil mit einer Messlinie, 24 Geophonen und vollständiger Dispersionanalyse bis zur Vs30-Auswertung liegen die Kosten im Raum Mainz zwischen 1.570 und 2.940 Euro, abhängig von der geforderten Erkundungstiefe, der Anzahl der Messlinien und dem Aufwand für die Verkehrssicherung bei Messungen im öffentlichen Straßenraum. Das Kombi-Paket mit ergänzendem Baugrundgutachten wird separat nach Aufwand kalkuliert.
Lässt sich MASW auch bei hohem Grundwasserpegel in Rheinnähe einsetzen?
Ja, das Verfahren funktioniert unabhängig vom Grundwasserstand, da die Rayleigh-Wellen an der Oberfläche entlanglaufen und durch wassergesättigte Schichten sogar eine höhere Kohärenz der Signale erreicht wird. In den Flussauen von Mombach und der Neustadt liefern die Messungen bei Grundwasserflurabständen unter 2 Metern besonders gut reproduzierbare Dispersionskurven, weil der akustische Impedanzkontrast zwischen trockenem Auenlehm und gesättigtem Sand die Modenabtrennung begünstigt.